Nicht nur aus der Sicht von Verbrauchern wird die Einhaltung von Sozialstandards immer wichtiger. Die Einhaltung elementarer Menschenrechte ist für verantwortungsbewusste Handelsunternehmen seit jeher von größter Bedeutung. Im Fruchthandel bestehen Lieferkontakte oft über Jahrzehnte und nicht selten geht eine Handelspartnerschaft über in freundschaftliche oder familiäre Beziehungen.
Auch der Lebensmitteleinzelhandel fordert als Kunde von seinen Lieferanten die Berücksichtigung von Sozialstandards. Banken und Rating-Agenturen achten darauf, und nicht zuletzt natürlich auch die verschiedenen Verbraucherschutzorganisationen und NGOs.
DFHV-Verhaltenskodex
Der Deutsche Fruchthandelsverband e.V. hat bereits im Jahr 2007 einen eigenen „DFHV-Verhaltenskodex zur Berücksichtigung von Sozialstandards“ entwickelt und seinen Mitgliedern empfohlen, in den Verträgen mit Lieferanten den DFHV-Verhaltenskodex anzuwenden. Die letzte Revision ist aus dem Jahre 2025.
Der DFHV-Verhaltenskodex enthält unter anderem ein Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit oder von Diskriminierungen jeglicher Art. Die gängigen Arbeitnehmerrechte sind beinhaltet, von Organisationsfreiheit über Arbeitszeit bis hin zu Mindestlöhnen. Arbeitsplätze müssen die international anerkannten Gesundheits- und Sicherheitsstandards erfüllen, vor allem beim eventuellen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.
Download des DFHV-Verhaltenskodex
Nachhaltige Entwicklungshilfe durch Handel mit Obst und Gemüse
Auf politischer Ebene hat die EU-Kommission zur Regelung der Handelsbeziehungen zwischen der EU und den Staaten des afrikanischen, karibischen und pazifischen Raums (AKP-Staaten) mit über 40 Entwicklungsländern Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (WPA) unterzeichnet. Ziel der WPA ist es, nachhaltige Entwicklungen in den AKP-Staaten zu fördern und die Handelsbeziehungen zwischen der EU und den AKP-Staaten auf eine WTO-konforme Grundlage zu stellen.
Exporte in die EU unterstützen wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig
Am Beispiel Avocado kann man die mittlerweile große wirtschaftliche Bedeutung der Exporte von pflanzlichen Produkten aus den Entwicklungs-/Schwellenländern deutlich machen. Im Jahr 2018 wurden rund 94.000 Tonnen der begehrten Früchte nach Deutschland importiert. Damit hat sich die Einfuhrmenge innerhalb von zehn Jahren beinahe verfünffacht. Parallel ist der Wert der importierten Avocados stark angestiegen: von 32 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 484 Millionen Euro im Jahr 2024.
Daneben werden je nach saisonaler Lage viele weitere Produkte importiert, wie Zitrusfrüchte, Ananas, Erdbeeren, Paprika, Bohnen, Salate und viele mehr, die aus der ganzen Welt zu uns kommen, um in Deutschland die einheimische Bevölkerung zu jeder Jahreszeit mit vitaminreichem frischem Obst und Gemüse zu versorgen.
Entwicklungsländer nutzen ihre Chancen auf dem Weltmarkt
Die Zusammenarbeit mit den lokalen Produzenten ist sehr unterschiedlich. In der Mehrzahl arbeiten nationale oder internationale Fruchthändler direkt mit Erzeugern vor Ort zusammen, wobei die lokalen Partner zum Beispiel eine Genossenschaft mit vielen Kleinerzeugern oder ein größeres Privatunternehmen sein können.
Für die Exportländer sind die lokalen Erzeuger, die Transportunternehmen, die Häfen und die Exportunternehmen für eine wachsende Bevölkerung von großer Bedeutung als Arbeitgeber und natürlich auch als Steuerzahler für den Staatshaushalt.
