QM-Information 08/2020 – Thiacloprid- keine neue EU-Genehmigung

Thiacloprid: Nichterneuerung EU-Genehmigung (VO 2020/23)
– PSM-Widerruf durch MG-Staaten: spätestens am 03.08.2020
– PSM-Aufbrauchfristen: spätestens am 03.02.2021

Thiacloprid: Nichterneuerung EU-Genehmigung (VO 2020/23)
– PSM-Widerruf durch MG-Staaten: spätestens am 03.08.2020
– PSM-Aufbrauchfristen: spätestens am 03.02.2021

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder!

Mit QM-Info 205/2019 vom 08.08.2019 hatten wir Sie bereits über die geplante Nichterneuerung der Genehmigung für den Wirkstoff (WK) Thiacloprid für Januar 2020 informiert. Die reguläre EU-Genehmigung für den WK endet am 03.02.2020.

Nichterneuerung der Genehmigung für Thiacloprid(VO 2020/23)

Die EU-Kommission hat die Nichterneuerung der Genehmigung von Thiacloprid mit VO 2020/23 (vom 13.01.2020) am 14.01.2020 im EU-Amtsblatt veröffentlicht (s. Anlage). Die VO tritt zum 03.02.2020 in Kraft.

Danach widerrufen die Mitgliedsstaaten spätestens am 03.08.2020 die Zulassungen für Pflanzenschutzmittel (PSM), die Thiacloprid enthalten.

Etwaige Aufbrauchfristen für Thiacloprid-enthaltende PSM enden spätestens am 03.02.2021.

Die Kommission begründet die Nichterneuerung der Genehmigung unter anderem mit dem Risiko der Kontamination von Grundwasser durch Metaboliten des Wirkstoffes. Des Weiteren konnte die Risikobewertung für Wasserlebewesen, Bienen und nicht der Zielgruppe entsprechende Pflanzen mit den bisher zur Verfügung stehenden Informationen nicht abgeschlossen werden. Darüber hinaus kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Metabolite ebenso karzinogene Eigenschaften besitzen wie der Wirkstoff Thiacloprid selbst.

RHG-Absenkung möglich

Es muss davon ausgegangen werden, dass im Nachgang zur NICHT-Genehmigung von Thiacloprid auch die Rückstandshöchstgehalte (RHG) angepasst werden. Denn für Erzeugnisse, bei denen die Anwendung des betreffenden PSM nicht zugelassen ist, sollen die RHG laut EU auf die spezifische Bestimmungsgrenze oder den Standard-RHG festgesetzt werden.

Zwar liegen die RHG für Thiaclopridbei für O&G bereits seit 2015 (VO 2015/1200) überwiegend bei 0,01*/0,02* mg/kg. Es gibt aber zahlreiche Ausnahmen, unter anderem für bestimmte Beeren und Kleinobst (1,0 mg/kg), Kernobst (0,3 – 0,7 mg/kg), Steinfrüchte und Kürbisgewächse mit essbarer Schale (0,5 mg/kg), Tafeloliven (4,0 mg/kg), Paprikas/Grüne Salate (1,0 mg/kg), Blumenkohle/Kopfkohle (0,3 mg/kg), Feldsalate (8,0 mg/kg), frische Kräuter (5,0 mg/kg) usw.

Hintergrundinformation Wirkstoff

Thiacloprid (Insektizid, CAS-Nr. 111988-49-9; Substitutionskandidat, weil endokrine Eigenschaften) ist auf nationaler Ebene in 27 MG-Staaten zugelassen, auch in Deutschland.

Der ADI liegt bei 0,01 mg/kg pro kg Körpergewicht/Tag und die ARfD bei 0,03 mg/kg pro kg Körpergewicht.

Nähere Einzelheiten entnehmen Sie bitte der beigefügten Anlage.

Mit freundlichen Grüßen
Deutscher Fruchthandelsverband e.V.

Anlage 2020_08_VO_2020_23_Thiacloprid_Nichtgenehmigung